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Gedanken übers Loslassen, Still-werden und warum weniger wirklich mehr ist.

Wir lernen von den Göttern

Alte Asterix-Comics liegen aufgeschlagen auf einem Holztisch

Die Buben lernen grad über die griechischen Götter, über die Römer, und sehen überall römische Zahlen. Als Lernthema ausgesucht hat sich das niemand – ich nicht, und die Kinder auch nicht bewusst.

Asterix und Percy Jackson

Zu Weihnachten hab ich auf Willhaben die komplette Serie der ganz alten Asterix-Comics gekauft. Die Freude bei den Kindern war nicht so groß wie erhofft, lang hat niemand die Comics angeschaut.

Vor ein paar Tagen – es war für ihn „sooooo ein langweiliger Tag“ – hat Toni dann zum ersten Asterix-&-Obelix-Comic gegriffen. Seitdem kann er die Comics nicht aus der Hand legen. Oft liegen er und Ferdi auf der Wohnzimmerbank, jeder versunken in einem Band, und die anderen 39 liegen um sie herum. Und dann kommen so Fragen wie: Mama, bei den römischen Zahlen, was bedeutet das C? Und dann geht’s los mit Recherche…

Genauso ist’s mit Percy Jackson. Ferdi hat vor Jahren ein Buch mit griechischen Sagen von der Tante Gerti bekommen. Das liebt er, und irgendwann hat er bei der Urli-Oma einen Trailer von Percy Jackson im Fernsehen gesehen. In der Buchhandlung hat er dann die Bücher dazu entdeckt und alle verschlungen. Und wie das bei Begeisterung so ist: Sie schwappt über. Erst auf die Tante, dann auf den Bruder – und schließlich auch auf mich. Grad bin ich am Ende des ersten Bands.

Und natürlich schauen wir jetzt die Serie dazu und recherchieren ganz viel. (Das ist wie mit Harry Potter bei uns – sobald ein Thema da ist, stürzen wir uns voll rein.)

Was wir dabei lernen: welcher Gott mit welcher Göttin was hatte, wer wessen Kind ist, wer was kann, wer wem was übel nimmt. Mein Hirn braucht da ein bissl länger. Ich frag dann nach, und sie erklären’s mir. 😉

Aber ganz nebenbei lernen sie auch, wie die fünf Stadtbezirke von New York City heißen, dass man etwa 40 Stunden mit dem Auto von New York bis nach L.A. braucht, ganz schön viel über Griechenland und über Cäsar. Also kurz: Geografie, Geschichte, Religion – und verbunden mit all dem natürlich Lesen und Schreiben.

Und ein Nebeneffekt: Die Kids sind inspiriert, fangen an, selber Geschichten zu schreiben, zeichnen Comics, schauen „Anime zeichnen“-YouTube-Videos, erfinden eigene Helden und Kreaturen – und sind den ganzen Tag beschäftigt.

Wir machen eigentlich gar nichts

Ich krieg mit, wie das bei manchen läuft, die mit ihren Kindern frei lernen. Da werden Ausflüge gemacht, bei denen die Kinder speziell zu einem Thema was lernen könnten. Und die Eltern kommen selber mit Themen daher, die sie für wichtig halten. Manche jammern, dass das Freilernen anstrengend ist.

Ich mach all das nicht – wahrscheinlich, weil ich einfach sehe, dass die Kinder nicht verblöden, wenn ich nicht dahinter bin, ihnen etwas beizubringen. Dieses Lernen geschieht jeden Tag. So wie bei uns Erwachsenen, wenn wir Themen nachgehen, die uns interessieren.

Heute ist’s mir wieder aufgefallen. Toni sitzt da, nimmt sich ein Blatt Papier und schreibt lauter römische Zahlen drauf. Und rechnet sie um. Niemand hat ihn gefragt, niemand hat es ihm aufgegeben. (Ich kann mich noch an Unterrichtsstunden im Gymnasium erinnern, wo wir das gelernt haben.)

Wie viel hat man in der Schule gelernt und gleich wieder vergessen? Nicht weil man zu dumm war, sondern weil’s einen einfach nicht interessiert hat. Und ganz ehrlich: weil man’s nie wieder gebraucht hat. Differenzialrechnung zum Beispiel. Hat mir die letzten 20 Jahre nix gebracht. 🤷‍♀️

Und dann ist es einfach durch

Themen wie die Götter und die Gallier bleiben bei uns meistens über Wochen und Monate. Bis sie fertig sind. (Außer Pokémon. Pokémon bleibt irgendwie. 😉)

Von Herzen, Christina

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